Guatemala

Guatemala ist ein ungeheuer faszinierendes Land. Die Schätze einer frühen Hochkultur, eine sehr abwechslungsreiche Natur und tief in ihrer Tradition verwurzelte Menschen ziehen jeden, der das Land einmal bereist, in seinen Bann.

Guatemala ist das Kernland der Maya. Deren Traditionen und die Kolonisation durch die Spanier prägen das Land bis heute. Geschichte Guatemalas

Die guatemaltekische Gesellschaft ist von großen Unterschieden zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen geprägt. Die entscheidenden Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besetzen die Ladinos. Sie machen knapp 60 Prozent der Bevölkerung aus und haben sowohl spanische als auch guatemaltekische Vorfahren der Spanier. In den Dörfern, in denen der FZA aktiv ist, leben vor allem Nachfahren der Maya. Sie stellen rund 40 Prozent der Bevölkerung und sind in vielen Bereichen nach wie vor stark benachteiligt. Geografie und Bevölkerung

Das offizielle Ende des 36-jährigen Bürgerkrieges im Jahr 1996 hat die politische Situation nur in begrenztem Maße stabilisiert. Die Demokratie steht nach wie vor auf wackligen Füßen. Und auch die wirtschaftliche Situation ist schwierig. Guatemala ist nach wie vor ein Agrarland, das vor allem vom Export von Kaffee, Zuckerrohr, Bananen und Kardamom lebt. Politik und Wirtschaft

Guatemala hat ein ganzes Bündel von Problemen zu lösen. Dazu zählen die starken Unterschiede zwischen armen und reichen Einwohnern, die schwierige wirtschaftliche Struktur und eine angespannte Sicherheitslage. Probleme in Guatemala

Die Geschichte Guatemalas

Die Maya – die „Griechen Amerikas“
Eine erste Blüte erreicht die Kultur in der Region des heutigen Guatemalas mit den Maya. Um das Jahr 900 entstehen große und bedeutende Bauten, die teilweise erst heute mühsam wieder freigelegt werden. Spektakulär und berühmt sind die baulichen Überreste der Tempelanlagen von Tikal. Im Norden Guatemalas, im  Petén, ragen sie aus dem dichten Regenwald hervor. Die Maya besaßen ein hochentwickeltes Schriftsystem, kannten sich in Mathematik und Astronomie aus und entwickelten einen eigenen Kalender. Wegen dieser Kenntnisse und Fertigkeiten wird das Maya-Volk mit Griechenland verglichen – man nennt die Maya die „Griechen Amerikas“.

Im Griff der Spanier – die Conquista
1524 erobert Pedro de Alvarado das Gebiet des heutigen Guatemalas für Spanien. Spanische Einwanderer teilen das Land untereinander auf und versklaven die einheimische Bevölkerung zur Arbeit auf ihren Plantagen. 1820 wollen die Guatemalteken mit einem Aufstand die Unabhängigkeit von Spanien erreichen. Doch dieser Versuch wird blutig niedergeschlagen. Ein Jahr später erklärt Guatemala seine Unabhängigkeit von Spanien und schließt sich dem neuen Kaiserreich Mexiko an. Nach einem Intermezzo in der Zentralamerikanischen Konföderation wird Guatemala 1839 souverän.

Diktaturen und imperiale Interessen
Immer wieder schwingen sich seit der Unabhängigkeit Diktatoren zu den Herrschern des Landes auf. 1954 unterstützt der amerikanische Geheimdienst CIA den Sturz der sozialreformerischen Regierung Arbenz. Die Söldnerinvasion verhindert so auch die angestrebte Landreform, die gegen die Interessen der USA – insbesondere der United Fruit Company (UFCo) – läuft. Die UFCo ist nicht nur eine riesige amerikanische Obsthandelsfirma, sondern kontrolliert zudem einen Großteil der guatemaltekischen Exportwirtschaft.

Verbrannte Erde im fast endlosen Krieg
Bis 1985 regieren nahezu ausschließlich Militärs das Land. Etwa ab 1962 gibt es vermehrt Aktivitäten linksgerichteter Guerillabewegungen. Ebenso wie andere Oppositionsgruppen werden sie von der Regierung bekämpft. Große Teile der Landbevölkerung unterstützen die Guerilla. Für die Regierungstruppen Anlass genug, Dörfer vollständig niederzubrennen und die Einwohner zu ermorden. Die Folgen dieser als „Politik der verbrannten Erde“ bezeichneten Verbrechen sind heute noch in Guatemala spürbar. Seit 1986 gibt es in Guatemala demokratisch gewählte zivile Regierungen, die mit den Guerillas Verhandlungen über einen Friedensschluss führen.

Endlich Frieden? Hoffnung kommt auf
1996 ist es schließlich soweit: Vertreter beider Seiten unterzeichnen den „Paz Firme y Duradera“, den Vertrag über „starken und dauerhaften Frieden“. Bis dahin sind in 36 Jahren Krieg Tausende Menschen ums Leben gekommen. Das Schicksal vieler ist bis heute nicht aufgeklärt. Viele Teile des Friedensabkommens warten heute immer noch auf Umsetzung, nach wie vor ist vor allem die indigene Landbevölkerung stark benachteiligt.

Geografie und Bevölkerung Guatemalas

Ein Land mit tausend Gesichtern
In Guatemala hat die Medaille immer zwei Seiten. Atemberaubende Naturschönheiten stehen im krassen Gegensatz zu ausgedehnten Elendsquartieren, der Reichtum weniger im Gegensatz zur Armut vieler. Rund 14 Millionen Menschen bevölkern das südlich von Mexiko gelegene Land, das mit knapp 109.000 Quadratkilometern in etwas so groß wie Bayern und Baden-Württemberg ist.

Die westliche Grenze des Landes bildet der Pazifik, im Osten grenzt Guatemala an das Karibische Meer und Belize. Nördliches Nachbarland ist Mexiko, im Südosten schließen sich Honduras und El Salvador an.

Gebirge prägen den größten Teil Guatemalas. Sie ziehen sich vom der pazifischen Ozean über das warmgemäßigte Hochland zu tropischen Gebieten im Südosten. Am dunklen Abendhimmel ist ab und an der rote Atem der Vulkane zu erkennen. Drei von 33 sind heute noch aktiv.

Die Bevölkerung wächst weiter
Etwa 105 Einwohner leben in Guatemala auf einem Quadratkilometer, in Deutschland sind es 230. Das Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 2,6 Prozent pro Jahr. Rund 40 Prozent der Einwohner sind  Nachfahren der Maya. 22 verschiedene Maya-Sprachen sind eine Herausforderung an die alltägliche Kommunikation. Bis heute beherrscht die Hälfte der Bevölkerung nicht die offizielle Landessprache Spanisch. Knapp 60 Prozent der Bevölkerung des kleinen zentralamerikanischen Staates machen die Ladinos aus, die sowohl spanische als auch einheimische Vorfahren haben.

Probleme in vielen Bereichen
Die Analphabetenrate ist rückläufig, liegt allein in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen aber immer noch bei etwa 30%. Indikator für den Entwicklungsgrad des Landes sind auch die hohen Geburtenzahlen. Die durchschnittliche Familie bringt es auf 4,6 Kinder. Die Kindersterblichkeit liegt bei 4,5%, damit ist sie mehr als zehn Mal höher als in Deutschland. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung lässt nach wie vor zu Wünschen übrig. Ein Arzt muss im Durchschnitt 1100 Menschen betreuen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 300.

Politik und Wirtschaft in Guatemala

Endlich Frieden!?
Mit dem Friedensabkommen vom 29.12.1996, das den jahrzehntelangen Bürgerkrieg offiziell beendete, waren viele Hoffnungen verbunden. Doch die Hoffnungen auf ein neues Guatemala, in dem Sicherheit, Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum herrschen, haben sich bisher kaum erfüllt. Missmanagement und Korruption, nicht eingelöste Wahlversprechen und eine explosionsartige Zunahme der Gewalt machen die Lage schwierig. Das Militär und Drogenbarone vereinen einen Großteil der Macht auf sich.

Präsident ist zentrale Figur
Guatemala ist eine präsidiale Republik. Der Präsident, für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt, ist damit gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Dem Kongress gehören zurzeit 158 Abgeordnete an. Die Vielzahl der Parteien ist groß, immer wieder gibt es Neugründungen. Wichtige Parteien sind die sozialdemokratisch ausgerichtete Nationale Einheit der Hoffnung (UNE), die Patriotische Partei (PP) sowie die Große Nationale Allianz (GANA).

Die Präsidentschaftswahlen Ende 2007 gewann mit Álvaro Colom der Kandidat der UNE. Er kündigte an, die Maya-Nachfahren stärker an den politischen Entscheidungen zu beteiligen, für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit zu sorgen und entschlossen gegen die Kriminalität vorzugehen.

Wirtschaft
Guatemala ist nach Haiti das ärmste Land Amerikas. Die Wirtschaft Guatemalas ist immer noch stark abhängig von ausländischen Investitions- und Aufbauprogrammen. Wirbelstürme, stark schwankende Kaffeepreise und Dürreperioden sorgen immer wieder für Krisen. Rund 2% der Bevölkerung gehören 60% der Fläche. Gerade in den ländlichen Gegenden leben die Menschen häufig nur von dem, was sie auf ihren eigenen Feldern anbauen können. 50% der Bevölkerung werden als arm eingestuft, 15 % gelten als extrem arm. Der Strom der Guatemalteken, die als illegale Einwanderer eine Zukunft in Nordamerika suchen, reißt nicht ab. Zahlreiche Familien erhalten Zuwendungen von Angerhörigen, die vor allem in den USA arbeiten.

Währung 1 Quetzal (Q) = 100 Centavos Kurs (Mitte 2010): 1 Q = 0,10 €
Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2007: 33,7 Mrd. US$
BSP/ Kopf (2008): 2860 US$
Anteile am BIP: Landwirtschaft 11 %, Industrie 24 %, Dienstleistungen 65 %
Anteil der Arbeitnehmer: Landwirtschaft 37%, Industrie 22%, Dienstleistungen 41%

Probleme in Guatemala

Egoismus der Macht
Das nach 36 Jahren Bürgerkrieg 1996 verabschiedete Friedensabkommen wartet immer noch auf vollständige Umsetzung. Nach wie vor werden die Nachfahren der Maya stark benachteiligt, während das Militär, die politische Führung und die wirtschaftliche Elite Geld und Macht auf sich vereinen.

Gewalt und Selbstjustiz
Das Vertrauen in Polizei und Justiz ist gering. Nur wenige Gewaltverbrechen werden aufgeklärt, Banken und Geschäftsleute vertrauen auf schwerbewaffnete private Sicherheitsfirmen. Immer wieder greifen Menschen zur Selbstjustiz, die Gewaltspirale dreht sich immer schneller.

Bildungsmangel und Unterversorgung
Das Erziehungssystem auf dem Land ist stark unterentwickelt, viel zu viele Kinder haben nach wie vor keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Es gibt offiziell eine neunjährige Schulpflicht, doch für deren Umsetzung schafft der Staat nicht die nötigen Voraussetzungen.

Völker, Sprachen und Kulturen
Die Nachfahren der Maya sind hin- und hergerissen zwischen ihren Traditionen und den Anforderungen des modernen Guatemalas. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Kultur und Sprache zu bewahren bei gleichzeitiger Integration in die guatemaltekische Gesellschaft. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und -schichten müssen den Weg zu gegenseitigem Respekt und zur Teilhabe aller finden.

Monoökonomie und Abhängigkeit
Die Wirtschaft des Landes ist schwach und abhängig von ausländischen Investitions- und Aufbauprogrammen. Die Tourismusbranche droht unter der zunehmenden Gewalt im Land wieder einzubrechen. Guatemala muss also dringend neue Wirtschaftszweige erschließen, um den Anschluss an die weiter entwickelten Länder des Nordens herzustellen. Gerade die Entwicklung im ländlichen Raum muss gefördert werden, um Landflucht zu verhindern. Guatemala braucht mehr Eigenständigkeit und Eigeninitiative. Nur so kann sich die breite Masse der Bevölkerung aus ihrer Abhängigkeit befreien und selbst die Lebensbedingungen verbessern.

Eine Lösung
Für alle diese Probleme gibt es nur eine sinnvolle Lösung: Bildung. Nur gebildete, mündige Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten sind in der Lage, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Im politischen Bereich genauso wie im wirtschaftlichen oder kulturellen. Dafür setzt sich der FZA ein.